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Andreas Schill, 1964 – 2023. Zum Erinnern.

Aktualisiert: 30. Sept. 2023

In Schmerz und großer Trauer habe ich zu berichten, dass mein langjähriger Agent und Freund Andreas Schill am vorvergangenen Donnerstag gestorben ist.

Andreas Schill, verstorbener Inhaber der Agentur Arthaus-Produktion. Lächelnd.
Andreas Schill

Unsere Zusammenarbeit hat im Jahr 2005 begonnen, seitdem hat Andreas meine Touren und Termine geplant und organisiert; in all den Jahren mit Umsicht, Verlässlichkeit und großem Verantwortungsbewusstsein.


Dass diese Jahre für mich eine Zeit mit vielen Auftritten, mit vielen neuen und interessanten Spielorten geworden sind, daran hatte er entscheidenden Anteil – und war dabei nicht der Typ Agent, dem es nur darum ging, seine Künstler möglichst gewinnbringend zu verticken.

An unzähligen Stationen meiner Tour haben VeranstalterInnen mir davon erzählt, dass sie mit Andreas intensive und persönliche Gespräche am Telefon geführt haben, in denen es nur nebenbei um das Geschäftliche ging, in denen sie sich vielmehr mit ihm über die Zeit, die Welt, das Leben ausgetauscht haben. Überhaupt bedeutet, an Andreas zu denken, auch all die Menschen vor Augen zu haben, zu denen er enge persönliche Verbindungen hatte: In der Bonner Altstadtszene, zu Gastronomen und KellnerInnen, zu Theaterbetreibern, zu früheren und aktuellen Weggefährten, zu KünstlerInnen, zu seiner Familie.

Für mich war er ebenfalls weit mehr als nur ein Geschäftspartner. Er war ein Begleiter. Ein Freund und Gefährte. Zum einen, weil er unser Metier auch als Performer auf der Bühne erlebt hat und deshalb wusste, wie sich die rauschenden Ballnächte anfühlen – und die Gelegenheiten, bei denen man Dreck fressen muss; im Besonderen aber, weil er auch an allen sonstigen Wechselfällen meines Lebens Anteil genommen hat und in jedem Gespräch mit voller Aufmerksamkeit da war. Offen, mitfühlend und zugewandt.


Bei all dem hat Andreas über Jahrzehnte an einer ganzen Reihe schwerer Erkrankungen gelitten. Jede für sich so belastend, dass ein Mensch daran verzweifeln kann. Er hat die Schmerzen, Einschränkungen und Zumutungen dieser Leiden mit stoischer Gelassenheit getragen. Gab es wieder einen Schub oder eine Attacke, ist ein weiterer Eingriff nötig geworden, dann hat ihn das natürlich genervt, wirklich beklagt hat er sich darüber so gut wie nie. Er hat offenbar keinen Sinn darin gesehen, mit dem Schicksal zu hadern. Sein Fokus lag darauf, die Agentur zu betreiben, für seine Künstler da zu sein, mit VeranstalterInnen zu sprechen – und wenn die Arbeit getan war auch das zu genießen, was ihm am Leben Freude gemacht hat: Freunde zu treffen, Bücher zu lesen, zu schreiben, Musik aufzulegen…


Wir, die KollegInnen, FreundInnen und ich, hatten uns daran gewöhnt, dass Andreas nach jeder weiteren Beeinträchtigung einen Weg findet und von irgendwoher die Kraft nimmt, doch wieder aufzustehen, doch wieder am Telefon zu sitzen, doch wieder weiterzumachen. Unvermittelt müssen wir erkennen und einsehen, dass alle seine Kräfte aufgebraucht waren. Es erschüttert uns, und wir fassen es noch kaum. Wäre ihm doch mehr Zeit geblieben! Hätten wir ihm doch zumindest noch unsere Dankbarkeit zeigen können!


So aber bleibt uns nichts, als ihn noch ein letztes Mal zu begleiten – um uns dann wieder auf den Weg machen – zu vielen Terminen, die er für uns organisiert hat. Dass die Show weitergehen muss, ist der ewige Imperativ unseres Berufs. Diesmal schmeckt er besonders bitter.


Denn innerlich steht unsere Welt gerade still, und sind unsere Herzen schwer. Weil wir einen guten Freund, einen verlässlichen Partner und einen großen Kämpfer verloren haben.

Andreas Schill, 1964 – 2023. Zum Erinnern.











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