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Abschied nach 40 Jahren Kabarett

Danke für's Dabeisein!

Ein Dank an mein Publikum, an Veranstalterinnen und Veranstalter, Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen.

Liebe Kabarettbesucherinnen und -besucher, liebe Veranstalterinnen und Veranstalter, liebe Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen,

weniges ist mir in meinem Leben so schwergefallen wie die Entscheidung, meine kabarettistische Laufbahn und Kabarett-Tour nach 40 Jahren zu beenden.

Einen Auftritt abzusagen ist das, was ein Künstler, wenn es irgend geht, vermeiden will – gleich alle Auftritte abzusagen, das geht eigentlich gar nicht. Allein, ich hatte keine andere Wahl.

So möchte ich mich denn bei allen oben genannten Beteiligten von ganzem Herzen dafür bedanken, dass ich die große Ehre und Freude hatte, einen Beitrag zum Geschehen auf den deutschen Kabarett-, Comedy- und Kleinkunstbühnen zu leisten und meine Programme vor einem in aller Regel großartigen Publikum zu spielen.

Illustration eines lebendigen Club-Foyers mit Gästen im Gespräch
Begegnungen im Club-Foyer

Ich konnte damit meinen Lebenstraum wahr machen: Seit meinen Fahrtenjahren in der bündischen Jugend habe ich mich denen zugehörig gefühlt, die man als „unstetes Volk“ bezeichnet hat: den Gauklern, Narren, Spielmännern, denen, die unterwegs sind, um als Performer, als Erzähler, als „talking authors“ ihr Publikum zu finden und – in der Welt der Phantasie – mit auf die Reise zu nehmen. Die für mich schmeichelhafteste Charakterisierung, die ein Rezensent einmal für mich gefunden hat, war die, dass ich ein „moderner Till Eulenspiegel“ sei.

Dies war und ist für mich aber immer auch verbunden mit dem Gefühl und der Einstellung, dass ein Abend im Theater mehr ist als nur 90 Minuten Unterhaltung, dass er vielmehr ein Kernelement dessen ist, was wir mit gutem Grund als „Kultur“ bezeichnen: dass wir Gemeinschaft und Gemeinsamkeit mit anderen erleben, dass wir uns unserer selbst vergewissern können, dass wir kontroverse und strittige Inhalte teilen, mitteilen und zur Debatte stellen, dass wir, mit einem Wort, eine Gesellschaft sind, die sich durch den Austausch miteinander weiterentwickelt und im Gespräch und in der Debatte Entscheidungen über das Wie und Was unseres Zusammenlebens trifft.

Illustration eines fahrenden Zuges in der abendlichen Landschaft
Vier Jahrzehnte unterwegs

Es sind in den 40 Jahren meiner Tour – und das ist etwas, was ich bereits jetzt schmerzlich vermisse und sicherlich auch in Zukunft schmerzlich vermissen werde – viele persönliche Kontakte, Bindungen und Freundschaften entstanden und gewachsen, die mir sehr viel bedeuten.

Mir hat es immer auch sehr viel bedeutet, in eben den Kleinkunsttheatern und auf den Bühnen zu spielen, die schon von sich aus ein Profil mitbringen, ein Stammpublikum haben, das dem Haus verbunden ist, und in die die Zuschauer mit einer grundsätzlichen Offenheit kommen.

Für mich ist vollkommen klar, dass mein Künstlerleben ohne diese Grundierung nicht funktioniert hätte. Ich bin kein Mann für die Mehrzweckhalle, die Eventlocation oder das Sparkassenfoyer. Ich brauche den Charme und die Atmosphäre des Clubs, des Gewölbekellers, der Kabarettbühne mit historischen Wurzeln.

Illustration eines kleinen Kabarettclubs mit leuchtendem Kabarett-Schild
Der besondere Charme kleiner Bühnen

Für mich ist auch genauso klar, dass meine künstlerische Reise hier und jetzt noch lange nicht zu Ende ist. Es hat in mir immer auch ein Songwriter und Musiker geschlummert, und der tritt jetzt ins Licht der Öffentlichkeit: Als musikalisches Alter Ego und unter dem Künstlernamen Mick Farlane finden Sie und findet Ihr meine Songs im Netz.

Über diesen Link gelangt Ihr dorthin. Sie sind und Ihr seid nämlich sehr herzlich eingeladen, als „First Circle“ die ersten Zuhörerinnen und Zuhörer zu sein.

Und natürlich freue ich mich, wenn auch die musikalischen Geschichten, die ich erzähle, interessant und spannend für Sie und Euch sind.

Illustration einer leeren Kabarettbühne mit Mikrofon, Hocker und warmem Scheinwerferlicht
Abschied und neuer Anfang

Das, was in den 40 Jahren da draußen und in all den Theatern geschehen ist, die Momente und Situationen, die ich mit Ihnen und Euch erlebt habe, die gehen für mich nicht wirklich verloren. Wenn es in Schillers Wallenstein heißt:

„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze,
drum muss er leben in der Gegenwart
und der Begeisterung zauberische Macht
im Herzen seiner Zeitgenossen wecken“
,

dann unterschreibe ich das nur bedingt, denn für mich hat es viele Augenblicke gegeben, die in ihrer intensiven Gegenwärtigkeit so großartig, so kostbar und so unvergleichlich waren, dass sie für mich zu etwas Bleibendem geworden sind. Ich trage sie im Herzen, ich kann sie wachrufen und sie damit dauerhaft machen.

Liebe Freundinnen und Freunde, bleibt dem Kabarett gewogen und verbunden. Macht Euch immer wieder bewusst, was wir da für eine großartige Kultur haben, auf dass wir sie alle miteinander immer wieder neu erfinden, formen und gestalten können – so wie unser ganzes Leben.

Und jetzt bitte keine Tränen und keine Angst: Hier im Blog, in Podcast und Videos werdet ihr weiter von mir hören und sehen, denn eigentlich… habe ich gerade erst angefangen. Ich weiß jetzt, wie es geht – and believe me: ich habe noch verdammt viel zu erzählen.

Also bis bald!