Mentales Training

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Ich habe mir jetzt wieder ein neues Trainingsgerät kommen lassen. So ein Home-Trainer oder Ergometer oder wie das heißt. So ein Strampler. Ich bin mit dem Gerät hochzufrieden.

Noch nie im Leben hatte ich einen technisch so ausgereiften Kleiderständer. Wie jeder echte Mann bin ich nämlich im Herzen ein Athlet. Was das athletische Training angeht, befinde ich mich allerdings gerade in der Winterpause. Es handelt sich dabei um einen sehr harten und sehr langen Winter. Im Grunde ist es der berühmte „ewige Winter“.

Auch gehen von meinem Konto Monat für Monat Beiträge für ein Fitness-Studio ab, in dem mich – sollte ich jemals dort auftauchen - keiner der Betreiber mehr erkennen würde. Daß ich dort auftauche ist aber sehr unwahrscheinlich, denn ich weiß nicht mehr genau, in welchem Stadtteil es liegt. Für das Studio bin ich ein Phantom-Sportler. Phantom-Sportler wie mich gibt es viele. Die Existenz der Fitness-Studios dieser Erde basiert auf diesem Fundament von Karteileichen. Den Fitness-Zombies. Aber wehe dem Tag, an dem alle Fitness-Zombies plötzlich doch mal zum Training erscheinen. Die Gebäude müssten wegen Einsturzgefahr geräumt werden. Daran möchte ich nicht schuld sein. Schon deswegen bleibe ich zuhause.

Und jeder Mensch besitzt ja durchschnittlich etwa 40.000 Gegenstände. In meinem Fall kommen aber noch einmal gefühlte 10.000 Sportgeräte hinzu. Nicht irgendwelche Sportgeräte. Sie sind allesamt formschön. Qualitativ hochwertig. Und originalverpackt.


Auch mit diesem Verhaltensmuster stehe ich nicht allein. Im Keller stapeln sich Pulsuhr, Laufsocken, Laufschuhe, Kurzhantel, Langhantel, Expander, Gewichtsmanschetten, Fahrrad, Rennrad, Mountainbike, Inliner, Sturzhelm, Knieschützer, Ellbogenschützer, Fußballschuhe, Badminton-, Tennis, Tischtennis- und Softball-Schläger… Die Psychologie spricht in so einem Fall vom „Fitness-Messie“.

Meine Frau hat früher noch gelegentlich gefragt „Sag mal: Willst du die Sachen eigentlich irgendwann auch mal benutzen?“ Sie fragt nicht mehr seit ich zurückgeblafft habe „Die Laufschuhe waren so teuer – die werde ich jetzt nicht gleich schmutzig machen.“ Neulich hat sie dann den Vorschlag gemacht „Man könnte die Sachen ja bei e-bay verkaufen.“ „Ich sag: „Bist du irre? Stell dir mal vor, was passieren würde, wenn alle Männer auf einmal ihre nicht genutzten Sportgeräte bei e-bay einstellen. Der e-bay-Server würde anfangen zu glühen, würde sich durch den Erdkern schmelzen und in Australien wieder rauskommen.“

Man gerät einfach schnell in das Wirkungsfeld einer Naturgesetzlichkeit, gegen die anzukämpfen dann vollkommen sinnlos ist: Menge und Qualität der Sportgeräte stehen in reziprok proportionalem Verhältnis zur tatsächlichen sportlichen Aktivität. Für Nordic Walker lässt sich daraus eine Art Bauernregel formulieren: „Je doller die Stöcke, desto oller die Böcke.“ Will ich dann irgendwann tatsächlich mal Sport treiben, bin ich gelähmt – ich kann mich einfach nicht entscheiden, mit welchem Gerät ich anfangen soll. Es heißt ja immer, wir Männer denken den ganzen Tag an Sex. Das stimmt nicht. Wir denken den ganzen Tag: „Man müsste mal wieder was für die Fitness tun“. Und dieses Daran-denken - das nennen wir dann „mentales Training“.

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