Drogenbericht
Drogenbericht
| Beitragsseiten |
|---|
| Drogenbericht |
| Drogenbericht Seite 2 |
| Alle Seiten |
Die Bundesregierung hat eine Drogen-Beauftragte. Da hat sich schon mancher alte Kiffer überlegt: „Wenn das so ist, sollte ich vielleicht auch mal `n Ministeramt anstreben …“ – „Drogen-Beauftragte“ heißt aber nicht, daß Frau Merkel die nach Holland schickt, und ihr sagt: „Ich nehm `nen Schwarzen Afghanen.“ Die Drogen-Beauftragte guckt vielmehr, was wir so an psychoaktiven Substanzen konsumieren – ihr Drogenbericht ist, wenn man so will, der Bier-Deckel der Nation. Und ich muss sagen: Wir haben es auch im letzten Jahr wieder ganz schön krachen lassen. Die schlimmsten Auswüchse:
• Bundeswehrsoldaten in Afghanistan trinken so viel – bei ihren Erkundungsflügen suchen die Tornados vor allem nach einer Leergut-Annahme.
• In Bayern gibt es gerade einen sehr volksnahen Wahlkampf, das heißt: unter zwei Promille darf kein CSU-Politiker ans Rednerpult.
• Und: An unseren Schulen wird immer mehr geraucht, gekifft und gesoffen. Und nicht nur im Lehrerzimmer!
Sind wir Deutsche also ein Volk von Abhängigen? Ja. Und es geht auch nicht anders. Deutschland ist nüchtern nicht zu ertragen. Selbst wenn man bei den gesundheitsbewussten Wohn-Gemeinschaften in der Küche sitzt, denkt man immer wieder: „so also muss es im Inneren eines Altglascontainers aussehen“. Und man errechnet aufgrund von Rückständen, die im Rhein gefunden wurden, daß die Anwohner hier pro Jahr 9 Tonnen Kokain schnupfen: Es ist die absturzgefährdete Mittelschicht, die einfach weiß: „Ohne leistungssteigerndes Doping ist mein Opel-Astra nicht zu halten.“
Die Getränke-Industrie musste sich aber einiges einfallen lassen, damit endlich auch die Mädchen mit dem Saufen anfangen: Es gab die Alco-Pops, dann kamen die Biermischgetränke … Hier ist nun endlich der Durchbruch geschafft. Samstag Nacht sehen wir junge Frauen jetzt gleichberechtigt mit den Jungs die U-Bahnen vollkotzen.
Verständlich, daß empörte Bürger sagen: „Die sollten sich ein Beispiel nehmen an den Tablettensüchtigen! Den Tablettensüchtigen siehst Du das Elend nämlich nicht an.“ Die nehmen ihre Tabletten. Und sind dann ruhig. Angenehm ruhig. Und gleichwohl entschlossen. Wer mal so einen Tabletten-Junkie auf Entzug erlebt hat, dem ist klar: „Dieser Mensch weiß, was er will.“ Und schafft es dann auch, mit ein und demselben Rezept siebzehn Mal eine Packung Valium zu kriegen. Warum? Weil der Apotheker sagt: Valium? Och, da nehm ich eine mit. Es ist halt ein ganz anderer Rausch, wenn man sagen kann: Mein Dealer hat den Doktor-Titel. Die Krankenkasse zahlt. Und ich hab den Stoff umsonst! Und alle sind froh, wenn die Pillen langsam wirken und Oma mit dem Nörgeln aufhört.
Ich werde bei alldem aber kein Abstinenz-Apostel. In meinem Fall wäre das – wie soll ich sagen – nicht ganz glaubwürdig. Und es bringt ja auch nichts. Im Gegenteil: Saufexzesse führen bei britischen Jugendlichen zu einem gestiegenen Sozialprestige. Und wer dann nach fünf Litern Bier das Wort „Sozialprestige“ auch noch unfallfrei über die Lippen bringt, der – kriegt einen ausgegeben. Ausserdem: Die Amerikaner haben doch sogar einen früheren Präsidenten zu ihrem Alkoholiker gemacht. Oder so. Ich muss – Entschuldigung – jetzt Schluss machen. Mein Drogenbeauftragter – hat gerade geklingelt.